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„Wir haben es so satt“ - Auszubildende und Beschäftigte aus dem Sozial- und Gesundheitswesen fordern vor der Bundestagswahl in Mannheim endlich bessere Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen

11.09.2021

In Mannheim demonstrieren zur Stunde rund 300 Azubis und Studierende aus dem Sozial- und Gesundheitswesen unterstützt durch berufserfahrene Kolleg*innen für ein menschlicheres Gesundheitswesen sowie bessere Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen - ohne Wenn und Aber. Vor der Bundestagswahl sollen die Forderungen der Beschäftigten und Auszubildenden im Sozial- und Gesundheitswesen noch einmal sehr deutlich formuliert werden.

„Gerade wir Auszubildende werden oft eingesetzt, um die Löcher in der Personalbesetzung zu stopfen. Darunter leidet nicht nur unsere Ausbildungsqualität, darunter müssen auch die Patientinnen und Patienten leiden. Deshalb brauchen wir dringend mehr Personal und verbindliche Vorgaben für die strukturierte Praxisanleitung. Denn es fehlt nicht nur an Fachkräften, sondern dadurch auch an Ausbildungsqualität“, so Nina Hermann, Auszubildende in er Pflege und Mitglied der Jugend- und Auszubildendenvertretung am Universitätsklinikum Heidelberg.

„Es gibt politisch kein Interesse, sich ernsthaft mit den strukturellen Problemen im Gesundheitssystem auseinanderzusetzen. Wir stellen hier auch die Frage nach der Finanzierung: Fallpauschalen stellen nicht die bestmögliche Behandlung sicher, sondern erzeugen einen hohen Kostendruck, der in vollem Umfang auf dem Rücken der Beschäftigten abgeladen wird. Sie setzen das ganze Personal im Gesundheitsbereich unter Druck. Es gibt nur wenig Kolleginnen und Kollegen, die diesen körperlichen und psychischen Anstrengungen bis zur Rente standhalten. Dazu kommt, dass rund 30 Prozent der Auszubildenden in der Pflege deswegen die Ausbildung abbricht. Allein daran zeigt sich, dass es sich um strukturelle Probleme handelt, die systematisch und mit politischem Willen angegangen werden müssen“, so Klara Ronellenfitsch, ver.di Jugend Baden-Württemberg.

Irene Gölz, ver.di Landesfachbereichsleiterin Gesundheit und Soziales: „Wir verlangen, dass die Probleme jetzt endlich an der Wurzel angepackt werden, anstatt weiter die Augen vor den Ursachen zu verschließen und nur ein bisschen weiße Salbe über die Probleme zu schmieren. Die Kolleginnen und Kollegen haben es so satt, immer wieder auf ihre belastende Situation aufmerksam zu machen, ohne dass sich grundlegend etwas ändert. Sie brauchen Entlastung. Wir fordern von der nächsten Bundesregierung mutige Entscheidungen, die zu nachhaltigen Veränderungen führen. Diesen Mut nicht zu haben gefährdet weiter die Beschäftigten, aber auch diejenigen, die sich ihnen anvertrauen. Vorschläge wie es gehen kann, sind seit langem bekannt.“

Gerade die letzten 1,5 Jahre in der Pandemie haben deutlich gemacht, wie wichtig ein funktionierendes und ausfinanziertes Gesundheits- und Sozialwesen ist.

Gölz: „Mit dem aktuellen politischen Kurs wird sich die Krise im System zu Lasten der Beschäftigten maximal zuspitzen.“

Pressekontakt

Andreas Henke
Pressestelle
ver.di-Landesbezirk Baden-Württemberg
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