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Handel: Quo vadis, … fairer Handel ???!!! 15.11.2006

Ganztägiges Seminar am 18.11.2006 im Stuttgarter DGB-Haus - Veranstalter: ver.di, DEAB (Dachverband für Entwicklungspolitik Baden-Württemberg), Brot für die Welt

Der Faire Handel hat in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen. Der Umsatz mit fair produzierten und fair gehandelten Produkten nimmt stetig zu, mit Zuwachsraten im zweistelligen Bereich.

Im Bereich der EU werden 2006 fair gehandelte Waren im Wert von ca. 1 Mrd. Euro verkauft.
Die Qualität der Produkte wurde stark verbessert.
Im Lebensmittelbereich wird fast ausschließlich in zertifizierter Bio-Qualität produziert.
Nicht zuletzt durch diese gestiegene wirtschaftliche Bedeutung sowie durch Informationskampagnen der im Fairen Handel engagierten Institutionen konnten auch Bekanntheitsgrad und Medienpräsenz erheblich verbessert werden.
Kurz gesagt:
der Faire Handel hat das Nischendasein, das er noch bis vor 10-15 Jahren hatte, endgültig verlassen, hat hochwertige Produkte mit überwiegend positivem Image im Angebot.

Diese positive Entwicklung und ein enormes Wachstumspotential rufen allerdings auch Akteure auf den Plan, deren Interessen sich nicht auf die soziale und politische Seite des Fairen Handels beziehen, sondern (fast) ausschließlich auf die wirtschaftliche. Bereits seit dem Beginn der 90er Jahre werden fair gehandelte Produkte auch über den konventionellen Einzelhandel vertrieben. Discounter galten jedoch bis vor kurzem als tabu.

Seit Mai diesen Jahres jedoch hat der Discounter LIDL acht fair gehandelte Artikel im Sortiment, versehen mit dem offiziellen TransFair-Siegel.

Das Echo auf die LIDL-TransFair-Vereinbarung war durchaus geteilt. Die Befürworter betonen die Chancen für die Produzenten in den südlichen Ländern, die Kritiker sehen in der Zusammenarbeit mit Discountern große Gefahren für die Qualität und das Image des Fairen Handels. Speziell LIDL sei ausschließlich daran interessiert, sich ein Stück des schnell wachsenden „Kuchens“ Fairer Handel zu sichern und sein angeschlagenes Image zu verbessern.
Vor allem von Gewerkschaftsseite wird LIDL für die permanente Verletzung von Arbeitnehmerrechten kritisiert.
Im Mai diesen Jahres fand dazu im Stuttgarter DGB-Haus eine Veranstaltung statt, organisiert von ver.di und DEAB.

Insgesamt stellt das rasante Wachstum alle Akteure des Fairen Handels vor zunehmende Herausforderungen – ob Produzenten im Süden oder Siegelorganisationen wie Transfair, Importeure und Eine-Welt-Läden im Norden.

Es gibt seit einiger Zeit auch Kritik von Produzentenseite am Fairen Handel:
die Vergabe von Fairtrade-Siegeln sei zu kompliziert,
die Preise z.T. nicht mehr kostendeckend.
Um diesen gesamten Themenkomplex ausführlich diskutieren zu können, veranstalten ver.di, DEAB und Brot für die Welt das Seminar am 18.11.2006 im DGB-Haus Stuttgart (Raum 245); die Veranstaltung beginnt um 10:00 Uhr und endet um 16:00 Uhr.

Herausgeber:

V.i.S.d.P.: Ralf Berchtold
Landespressesprecher
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