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Wie sag ich’s meinem Boss?

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Wie sag ich’s meinem Boss?

die besonderen (02/2017)
die besonderen (02/2017) ver.di die besonderen (02/2017)  – Wie sag ich’s meinem Boss?

 
Den Laden schaukeln

Der Klügere gibt nach, heißt es. Warum eigentlich? Müsste es nicht heißen, der Klügere setzt sich durch? Selten liegen Realität und Image so weit auseinander, wie bei dem Wort Verhandlung. Wer es hört, denkt oft an zwei Kategorien: Helden oder Diplomaten. Der/die Held*in ist sich ihrer Macht bewusst, taktiert nicht, kämpft mit gezücktem Degen und offenem Visier. Sie setzt sich durch oder verliert. Keine Kompromisse! Der zweite Typ ist der/die Diplomat*in, der der Gegenseite mit Taktieren und List begegnet, leisere Töne anschlägt, unberechenbar bleibt und das Ziel meist teilweise erreicht. Der Unterschied zwischen beiden: Helden werden gefeiert, Diplomaten belächelt.

Warum ist das so? Und was hat sich geändert? Ist es heute unfairer in den Verhandlungen? Haben wir mehr Manager*in nen, die auf die Karte „friss oder stirb“ setzen? War es früher besser?

Wann bitte soll das gewesen sein? Gab es je Zeiten, in denen bei Verhandlungen Offenheit, Friede und Verständnis herrschte? Bestenfalls könnten wir feststellen, früher verhielten sich die Kontrahenten vielleicht anders, spielten eher Schach. Heute häufiger sowas wie Schiffe versenken. Schach ist nicht friedlicher als Schiffe versenken. Es dauert nur länger.

Unterschiedliche Interessen sind der Grund für Verhandlungen. Sei es in der Politik, oder am Arbeitsplatz. Im Betrieb oder der Familie. Verhandler*innen sind Agenten der Veränderung. Wer verhandelt, will vor allem seine Situation verbessern. Wir haben heute oft Wahlmöglich keiten, können mitreden und mitentscheiden. Erfolgreich verhandeln bedeutet nicht mehr, dass nur der entscheidet, der auf der Stirnseite des Tisches sitzt. Es bedeutet, dass Verhandlungen in Kooperation münden, dass wir lernen, die Eigenarten und Positionen der anderen nicht nur zu ertragen, sondern auch zu nutzen. Es darf sich keiner als Verlierer fühlen und beide Parteien sollten Siege für sich verbuchen können. Wir lernen also, uns zu einigen. Die Klügeren geben nicht mehr nach. Sie schaukeln den Laden.